Vorbereitung

Das ihr nicht erschlagen werdet vor lauter Text, teile ich meinen Messebericht in 5 Teile und werde sie nacheinander auf meinem Blog hochladen.Und da ist auch schon das Stichwort. (Apropos Stich! Hier fliegt gerade eine Mücke ständig in mein Gesicht! Sie ist ab sofort verantwortlich für alle Schreibfehler!) Zurück zum Thema.

Stichwort Blog: Die Vorbereitungen begannen schon im März mit der Frage:“ Wie komme ich auf die FBM auch an Fachbesuchertagen obwohl ich kein Buchhändler, Lehrer oder Verleger bin?“  Die Lösung lies sich sehr schnell unter den Messeveteranen finden. Gesagt getan, im August dann die Akkreditierungsunterlagen online ausgefüllt. Keine drei Stunden später war ich stolzer Besitzer eines Presseausweises. Ich konnte es so lange nicht glauben, dass ich kostenlos in den Messehallen als Blogger wandeln darf, bis zum ersten Mal mein Ausweis am Dienstag gescannt wurde und die nette Frau mir einen schönen Tag wünschte. Ich war so dankbar, dass könnt ihr euch nicht vorstellen. Nachdem ich ja 2017 nur ein paar Stunden Samstag  auf der Messe verweilen durfte sollten es dieses Jahr unbedingt 5Tage werden. Hotelbuchung habe ich auch schon im August getätigt, eine sehr gute Entscheidung wie sich kurz vor der Messe herausstellen sollte. Es waren alle Betten ausgebucht. Nur noch vereinzelte Zimmer waren zu vergeben für bis zu 900 Euro für 5 Nächte.

Es war also alles in Sack und Tüten. Am Montag noch Überlebensnahrungsmittel besorgt und dabei wieder nicht am Buchladen vorbeigehen können. Marco Göllner / Oma Martha & Ich kamen also zum Gepäck dazu. Meinen Koffer hatte ich schon am Samstag gepackt. Die Messe-T-Shirts sollten ja schließlich sauber bleiben und bis dahin nicht mehr getragen werden. Das ganze Wochenende ging für Planung drauf und die Buchmesse-App glühte vom Favoritenfestlegen. Sonnenbrille und leichte Kleidung waren in Reichweite bei diesen genialen Wetteraussichten. Apollon sollte sich wirklich als Buchliebhaber erweisen, denn er ließ die Sonne jeden Tag auf unsere Köpfe scheinen.

Nach dem 10. Mal nachgucken ob ich auch mein Ticket, meine Bahncard, meinen Ausweis und alles Notwendige eingepackt habe, inklusive Bücher zum Signieren, verfiel ich gegen halb eins in der Nacht in einen unruhigen Schlaf. Die Vorfreude auf die zuvor ausgemachten Treffen mit so vielen lieben Buchverrückten war riesig und so nahm alles seinen Lauf.

Tag 1  Anreise / Maria / 8 Bettzimmer / die zwei verlorenen Jungs / Donuttreffen / Ein Abend mit der Titanic

8 Uhr

Aufstehen fiel mir am heutigen Tag so überhaupt nicht schwer. Nach einer erfrischenden Dusche, frisch gebrühtem Kaffee und einem energiereichen Müsli ging es um 9 Uhr Richtung Bahnhof. Meine liebe Nachbarin Jana fuhr mich zum Gleis. Im Gepäck die neueste Ausgabe der TAZ die anlässlich zu Beginn der Buchmesse eine Sonderedition über Literatur bereit hielt war ich gut gerüstet für eine viereinhalbstündige Fahrt mit der Bahn. Mit dem vorher gebuchten Handyticket mit Reservierung in einem Ruheabteil verlief die Zugfahrt ohne Verspätung und Zwischenfälle. Ich habe herzlich gelacht beim Lesen im Buch von Marco Göllner. Habe dann das Hörbuch auf Spotify entdeckt und habe es mir von Marco vorlesen lassen während ich gleichzeitig im Buch mitlas. Sehr empfehlenswert übrigens, da er ein begnadeter Sprecher ist.

14 Uhr

Die Skyline von Frankfurt kommt in Sicht. Für ein Dorfkind wie mich eine riesige Welt. Nicht umsonst nennen sie manche Mainhatten und so kommt es mir auch vor: wie ein kleines Stück New York.

Hunderte Menschen auf dem Bahnhof die eilen, hetzen, auf ihre Handys starren. Menschen aus so vielen Nationen und Kulturen, Jugendliche die sich im Ghettoslang unterhalten, aufgeregte Asiaten die so schnell reden, das es immer ein bisschen so klingt als würden sie sich streiten. Und ich, ein 1,63m Zwerg, mittendrin. Ich fühle mich ein wenig verloren inmitten der Menschenmassen. Am Fahrkartenschalter kann ich aber einer älteren Dame  helfen eine Fahrkarte zu kaufen und schon bin ich wieder genordet und sitze in der S-Bahn die mich zum Hostel bringen soll. Gedanken an das Buch „Das Mädchen das in der Metro las“ kommen auf. So passend geschrieben.

Station Galluswarte- hier muss ich raus. Der Geruch von Urin steigt in meine Nase, verlasse Übernachtungsstätten von Obdachlosen aus Pappe und alten Decken, die Wände mit Graffitis besprüht.  Und da ist es wieder das leichte Unbehagen. Marlene allein in Frankfurt. Die eingefleischten Frankfurter scheinen das alles nicht mehr wahrzunehmen. Faber übertönt aus meinen Kopfhörern den Lautstärkepegel von Straßenverkehr und das Rattern der S-Bahn.

Nur wenige Meter neben der Haltestelle mein Hostel. An der Rezeption ein hoher Andrang. Beim Ausfüllen des Anmeldebogens lerne ich Maria kennen. Eine pausbäckige knuddelige Italienerin die mich gleich einweiht in ihre Reiseplanung. Trotz das sie nicht ganz so gut zu Fuß ist möchte sie am Abend zu einem Konzert in die Festhalle. Wir unterhalten uns angeregt als wenn wir uns schon ewig kennen. Herrlich diese Frau. Sie fragt auch gleich ob wir vielleicht in ein Zimmer quartiert werden können, dann wäre ihr nicht ganz so mulmig in einem 8 Bettzimmer. Ich scheine Vertrauen auszustrahlen. Sie nimmt mir meine Aufregung und ich bin ihr sehr dankbar. Das Zusammenlegen klappt dann leider nicht. Schade, ich hätte mich glaube ich köstlich unterhalten gefühlt mit dieser quirligen „Mama“.

16Uhr

Haus B Zimmer 143 / Ich halte die Zimmerkarte an den Sensor und stürme mit meinem Gepäck in den riesigen Raum und bleibe aber auch abrupt wieder stehen. Ein Mann mit Vollbart und langen Haaren bezieht gerade sein Bett. Ich stutze und schaue nochmal misstrauig ob ich auch im richtigen Zimmer bin. Die Tür fällt hinter mir ins Schloss. Die Gerüchte unten an der Rezeption bewahrheiten sich also: Mann und Frau nicht getrennt. Und da ist es wieder: das mulmige Gefühl. Mein Koffer steht noch vor der Tür, nach kurzer Überlegung hole ich ihn doch ich habe meine Zimmerkarte vergessen und zack fällt die Tür vor meiner Nase zu. Ich klopfe zögernd und der Bärtige macht mir mit einem Lächeln auf. Ja Fettnapf ist auch immer mit dabei. Ich quartiere mich gleich hinter dem Eingang in ein Doppelstockbett ein. Das Bett ist schnell bezogen und das Gepäck in einem Spint verstaut.

16:30Uhr

Den knappen Kilometer laut GPS beschließe ich zu Fuß zur Messe zu laufen. Von der Galluswarte bis zur Messe ist es nur eine Station mit der S-Bahn und die Karte würde 2,75 Euro kosten. Dafür bin sogar ich zu geizig. Ich möchte gleich mal testen ob ich mit meinem Ausweis wirklich kostenlos Eintritt erlange. Außerdem brauche ich noch eine Ausweißhülle mit Schlüsselband.

Überglücklich mit Schlüsselband und Ausweißhülle um den Hals rauche ist erstmal eine Zigarette mit Blick auf das Messegelände und untergehender Sonne. Ich bin angekommen. Mein Bauch schreit mich an wann ich denn mal gedenke ihn mit etwas Nahrhaftem zu befüllen. Die Anspannung ist von mir abgefallen.

Da spricht mich ein gutaussehender junger Kerl an. Ob ich ihm sagen könne wo den die Festhalle ist. Er siezt mich und dabei sehe ich doch gar nicht so alt aus. Ich erkläre mich bereit ihn zu begleiten da ich eh in Richtung Innenstadt unterwegs bin um Nahrung zu finden. Sein Kumpe gesellt sich noch dazu und ich rate die ungefähre Richtung in die wir laufen müssen. Sie wollen auf das Konzert von Maluma. Das wusste ich ja schon von Maria und so konnte ich mit Halbwissen glänzen. Nach einer halben Stunde und zweimal nachfragen und einem guten Smalltalk ( ich weiß jetzt wer Maluma ist) hatten wir die Festhalle erreicht und die zwei bedankten sich bei mir für die Hilfe. Gleich in der Nähe auch das Skyline Plaza. Essensgeruch trieb mir in die Nase. Was für ein Einkaufstempel. Die Auswahl fällt hier echt schwer. Chinesisch, Indisch, Amerikanisch, Italienisch, Thai, Restaurant zur Goldenen Möwe oder KFC. Ich entschied mich für Chinesisch. Was für eine Wohltat.

In der gleichen Etage erblicke ich auch gleich den Donutladen der auf Twitter erwähnt wurde und bei dem ein Treffen geplant ist. Gleich mal den noch zu Hause gebliebenen den Mund wässrig machen und Fotos vom Krümmelmonster-Donut an Kerstin und Twitter senden. Gleich daneben merke ich die Anzugskraft eines Buchladens in den es mich auch gleich reinzieht. Ich erlaube mir ein kurzes Stöbern und gehe ohne ein Buch zu kaufen stolz wie Oskar den Laden wieder.

18Uhr

Zurück im Hostel störe ich den Bärtigen beim Schlafen, da es leider nicht möglich ist die Tür leise zuzumachen. Er dreht sich etwas genervt um und fängt dann genüsslich an zu schnarchen. Ohropax werden eines der wichtigsten Utensilien in den nächsten Tagen sein.

Mein Tag ist noch nicht zu Ende. Um 20 Uhr beginnt die Buchmesseeröffnungsfeier der Satirezeitschrift Titanic / Titanic liest und feiert Stalin in der 3,4km entfernten Brotfabrik Frankfurt/ Hausen. Ich beschließe auch diese Strecke zu Fuß zurückzulegen, ich habe ja noch viel Zeit. Nachdem ich mir an der Rezeption ein Vorhängeschloss und meine Frühstücksmarke geholt habe laufe ich los. 23Grad und das um diese Uhrzeit.

Die Brotfabrik ist ein kleines Kulturhaus für Veranstaltungen. Begrüßt wird man sehr freundlich und ganz nach meinem Geschmack. Das Eingangsschild und die Treppe begeistern mich sehr. Die Frau an der Abendkasse hat einen erfrischenden Berliner Dialekt den ich über alles liebe. Ein zwei Zigaretten und eine eiskalte Fritzcola später geht es los. Satire über Stalin sind das Hauptthema da er ja Georgien stammt und selbiges Land ja dieses Jahr Gastland auf der FBM ist.

Oliver Maria Schmitt ( ehemaliger Chefredakteur der Titanic) führt gemeinsam mit dem als Stalin verkleideten Christian Y. Schmidt ( ehemaliger Redakteur der Titanic) durch den Abend. Acht Jungstalinisten sollen Väterchen Stalin auch Sosso genannt durch Beiträge begeistern. Bitterböse Satire aus Politik und Gesellschaft brachten den Saal zum Kochen. Ein Wettkampf zwischen den Vortragenden wurde ausgetragen wer denn Stalin überzeugen kann und nicht in ein Gulag gesteckt wird. Leo Fischer , Torsten Gaitzsch, Moritz Hürtgen, Paula Irmschler, Fabian Lichter, Leo Riegel, Tim Wolff und Ella Karina Werner boten zum totlachen lustige Texte natürlich nur wenn man auf solche Art von Satire steht. Aber ich kann euch sagen, das die AFD und ihre Rechtsgerichteten „Genossen“ richtig schön in die Mangel genommen wurden.

Gegen 23Uhr nach einem wahnsinnig schönen Ausklang des ersten Tages in Frankfurt machte ich mich auf den Heimweg mit Vorfreude auf den ersten richtigen Messetag.

Im Hostel angekommen war der Überschuss an Mädels gestiegen und der Bärtige war an diesem Abend der Hahn im Korb. Geschnarcht hat er für 10 Baumfäller . Ein riesiges Dankeschön an den Erfinder von Ohropax. Ich habe seelig geschlafen.