Ausgabe: gebundene Ausgabe 2018

Autor: Thomas De Padova

Verlag: hanser berlin

ISBN: 978-3-446-25857-0

Sprache: Deutsch

Kosten: 18,00 Euro

Seiten: 175

                                                                                   Genre: Belletristik, Erzählung

 

“Jetzt hab´ich zittrige Hände und einen Kopf noch voller krummer Ideen Bei all den Bildern von früher kann ich bald nur noch tatenlos zusehen. Wie sie alle miteinander verschwimmen.”

Gisbert zu Knyphausen / Song Kommen und Gehen

Klappentext:

Plötzlich wird es dunkel wie vor Beginn eines Kinofilms. Hinter mir erlischt Italien. Und noch ehe mein Herz am anderen Ende des Tunnels angelangt ist, fliegen mir die alten Gesichter entgegen, als wären Vergangenheit und Gegenwart nur durch diesen schmalen Stollen voneinander getrennt: erinnerte Geschichten aus Kindheit und Jugend, und weitererzählte Geschichten, die von Aufbruch und Ausharren handeln.

Von Kindesbeinen an verbrachte Thomas de Padova die Sommerferien in einem Dorf in Apulien, Geburtsort seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters- drei Männer, die alle irgendwann ihre Koffer packten und aufbrachen in die Welt. Seine Großmutter dagegen blieb. Jahr für Jahr erwartet sie ihn, still auf einem Stuhl sitzend, im Dunkel ihres Zimmers: eine schweigsame, in Schwarz gekleidete Frau, einfach und doch wie aus einem Roman.

Diese Geschichte ist eine Schatzkammer: Erfüllt vom hellen Licht der Adria und durchzogen von uralten Geheimnissen, bewahrt sie in knappen, leuchtend klaren Szenen eine ganze Welt in sich auf.

Bewertung:

Thomas de Padovas Nonna scheint im ersten Moment eine verbitterte alte italienische Mama zu sein die keinerlei Gefühle zeigt. Die Geschichte hat mich so sehr an meinen Opa erinnert. Ihn habe ich auch nur als meckernden, eingeigelten und mürrischen Menschen in Erinnerung. Der Geruch von Mottenkugeln kam mir beim Lesen in die Nase.

Was ist passiert, das Nonna Mariett nur noch in Schwarz gekleidet jeden Tag am Fenster sitzt und nicht mehr unter Leute geht? Was treibt Thomas de Padova jedes Jahr in diese Gegend obwohl er sich doch als Kind immer sehr unwohl gefühlt hat.

Thomas de Padova schreibt in diesem Buch über das harte und so oft ungerechte Leben seiner Großmutter. Verzweifelte Suche nach Liebe und jahrelanges Warten auf ihren ausgewanderten Ehemann. Ein folgenschwerer Unfall in der Kindheit und das alleinige Zurückbleiben nach dem Tod ihrer Mutter. Das alles ruft maßlose Verbitterung hervor und lässt einen nach und nach erkennen warum Nonna Padova so ist wie sie ist. Trotzdem lässt es Padova nicht aus, das Schelmische und Verschmitzte seiner Nonna durchblitzen zu lassen, was sie am Ende doch sehr symphatisch macht.

Dazwischen wunderschön erzählte Passagen über die Gegend rund um Mattinata und die atemberaubende Natur Apuliens. Man möchte sich sofort auf den Weg an den Strand machen, dort ein Zitroneneis essen und den Wellen beim Rauschen zuhören. Eine Gegend in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

175 Seiten toll geschriebene Geschichte eines italienischen katholischen Dörfchens und seiner Einwohner von der man nicht genug bekommen kann.

Quelle:http://www.italytraveller.com/en/z/baia-delle-zagare